Viele kehren im August und September aus Urlaub, Kurzarbeit oder Homeoffice an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Leitlinien für eine sichere Rückkehr von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) helfen Führungskräften und Beschäftigten dabei, den Wechsel sicher zu gestalten. Wir haben 13 wichtige Punkte für Sie in einer Checkliste zusammengefasst.

Checkliste für die Rückkehr in den Betrieb

1. Gefährdungsbeurteilungen aktualisieren

Alle Unternehmen sind durch das Arbeitsschutzgesetz zu einer betrieblichen Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Dabei ist schriftlich festzuhalten: Welchen Gefahren sind Beschäftigte bei der Arbeit ausgesetzt und welche Gegenmaßnahmen werden ergriffen? Durch das Auftreten von SARS-CoV-2 entstehen an allen Arbeitsplätzen neuartige Gefährdungen, die zu dokumentieren sind. Unterstützung erhalten Sie dabei zum Beispiel von Ihrer Berufsgenossenschaft oder einer BGM-Service-Stelle wie Gsund im Gschäft.

2. Anwesenheit und Abwesenheit klären

Je weniger Menschen im direkten Kontakt stehen, umso niedriger ist das Ansteckungsrisiko. Fragen Sie sich: Wer muss wirklich vor Ort sein, um den Geschäftsbetrieb erfolgreich aufrechtzuerhalten? Manche Aufgaben lassen sich nur inhouse erledigen, doch vieles kann digitalisiert werden. Investieren Sie in digitale Kompetenz, vertrauen Sie Ihren Beschäftigten im „Off“. Und helfen Sie mit optimaler mobiler Büroausstattung dabei, auch von zuhause gesund zu arbeiten. Bestehende Regeln sollten Sie auf Flexibilität überprüfen. Dazu gehören individuelle Homeoffice-Vereinbarungen und Urlaubsregelungen. Wichtig: Machen Sie Änderungen für alle transparent.

3. Hygieneregeln kommunizieren

Passen Sie den Corona-Arbeitsschutz-Standard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales genau an betriebliche Anforderungen an: Wo treffen Menschen aufeinander, wie sollen sie sich im Kontakt verhalten, wann muss Mundschutz getragen werden? Helfen Sie Mitarbeitenden und Besuchenden, die Regeln einzuhalten und erinnern Sie optisch daran. Möglichst mehrsprachig mit gut sichtbaren Postern und Merkzetteln in Fluren, Büroräumen, an Türen und in sanitären Anlagen. Vordrucke dafür erhalten Sie bei vielen Gesundheitsakteuren und Berufsverbänden.

4. Sicherheitsabstand schaffen

Um den angemessenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen Beschäftigten einzuhalten, müssen Sie vielleicht Arbeitsplätze umstrukturieren und Arbeitsabläufe neu organisieren: Schreibtische verschieben, Empfangsrituale überdenken, Pausenzeiten neu regeln, Umkleideräume in Schichten nutzen oder Meetings per Video durchführen – selbst wenn die Teilnehmenden vor Ort sind. Wer aktuell eine Aufgabe physisch alleine erledigen kann, sollte das auch tun.

5. Schutzmaterialien bereitstellen

Desinfektionsspender, Masken oder Handschuhe und Trennwände, wenn kein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern möglich ist: Beschäftigte vertrauen darauf, dass Arbeitgebende das Notwendige in ausreichenden Mengen zur Verfügung stellen. Masken mit Betriebslogo ermuntern zum Tragen und stärken das Wir-Gefühl in der Krise. Teams und Belegschaft wirklich mitzunehmen im Kampf gegen Corona & Co. kann eine Herausforderung sein. Umso wichtiger ist es, mit allen dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Hilfreich: Klar Stellung zum betrieblichen Infektionsschutz beziehen und den richtigen Umgang mit Schutzausrüstung schulen.

6. Publikumsverkehr minimieren

Verringern Sie die Anzahl der Nicht-Beschäftigten im Betrieb. Bestellung oder Kauf vor Ort lassen sich vielleicht in Online-Service überführen, Lieferungen können kontaktlos erfolgen. Auch soziale Dienstleistungen wie Beratung und Schulung lassen sich immer leichter sozial digital und datenschutzkonform anbieten. Für alle nicht vermeidbaren externen Gäste im Haus: Informieren Sie direkt am Eingang über Ihre Hygieneregeln und ermöglichen Sie über Zutrittskontrolle eine mögliche Kontaktnachverfolgung.

7. Risikogruppen schützen

Als besonders schutzbedürftig gelten Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Lungen- und Herzprobleme oder Diabetes sowie Personen, die sich einer Immunsuppression (z.B. Krebsbehandlung) unterziehen. Gut, wenn Sie diesen Beschäftigten wie auch Älteren oder Schwangeren das Arbeiten von zu Hause ermöglichen. Diese Vorsichtsmaßnahme sollten Sie auch für Mitarbeitende erwägen, die in einem Haushalt mit betroffenen Personen aus einer Risikogruppe leben.

8. Öffentlichen Transport meiden

Schaffen Sie Anreize für Ihre Beschäftigten, nicht mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit zu kommen. Autofahrende freuen sich über mehr Parkplätze, andere über die Bereitstellung von Firmenfahrrädern. BGM-Tipp: Unterstützen Sie aktiv dabei, etwas für die Gesundheit zu tun und nicht motorisiert zur Arbeit zu kommen.

9. Beschäftigte einbeziehen

Informieren Sie Ihre Teams oder Ihre Belegschaft über jede coronabedingte Veränderung im Betrieb und am Arbeitsplatz möglichst zeitnah und direkt. Beziehen Sie die Menschen, die für Sie oder mit Ihnen arbeiten, in Planungen mit ein: Nutzen Sie das Wissen derer, um die es geht. Wenn große Veränderungen anstehen, denken Sie über Schulungen nach: Kurzweilige Online-Seminare lassen sich leicht intern und extern realisieren. Achten Sie besonders im Wandel auf die Regeln der gesunden Kommunikation.

11. Angst und Stress ernstnehmen

Wir alle sind durch die Pandemie und ihre Folgen besorgt, angespannt und verunsichert. Bei Erkrankung, aufgrund von Isolation, wegen finanzieller Einbrüche oder privater Probleme sind manche Menschen psychisch besonders belastet. Informieren Sie Führungskräfte über professionelle Unterstützungs- und Beratungsangebote in der Krise. Bieten Sie die Möglichkeit, sich in persönlichen Gesprächen über die Krise auszutauschen und motivieren Sie Ihre Beschäftigten, in der Arbeitszeit an kostenlosen Gesundheits-Inputs teilzunehmen  – etwa zur Früherkennung von Burn Out und zur Stressbewältigung .

12. Plan B schmieden

Teams können sich in der aktuellen Situation schnell reduzieren: Quarantäne, Arbeitszeitverkürzung, Erkrankung. Spielen Sie durch, wie betriebliche Herausforderungen auch mit weniger Mitarbeitenden zu meistern sind. Machen Sie gemeinsam Back-up-Pläne und legen Sie im Vorfeld fest: Wer kann wen im Einzelfall wie lange vertreten? Denn zusätzliche Aufgaben belasten die verbliebenen Beschäftigten und dürfen nicht zu lange „on top“ bleiben. Schlüsseltätigkeiten verteilen sie besser auf mehrere Ersatzpersonen, um die Erledigung wichtiger Aufgaben jederzeit sicherzustellen. Das gilt auch und gerade für die Leitungsebene.

13. Covid-19-Fälle berücksichtigen

Infektionen mit dem neuartigen Virus verlaufen sehr individuell. Manche Menschen überstehen die Infektion ohne Spätfolgen, manche leiden noch lange an gesundheitlichen Einschränkungen. Klären Sie die persönliche Belastbarkeit, wenn wieder genesene Beschäftigte an den Arbeitsplatz zurückkehren und – wenn nötig – ermöglichen Sie Auszeiten, etwa für Physiotherapie-Termine. Sichern Sie insgesamt die gute Rückkehr in den Betrieb und wirken Sie durch Wertschätzung einer möglichen Stigmatisierung entgegen.

Arbeiten in der Pandemie

Mit dem Infektionsschutz haben wir in der Hand, wie gut wir durch Herbst und Winter kommen. Erinnern Sie sich und andere an die AHA-Regeln auch am Arbeitsplatz: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Lüften Sie viel und oft. So sorgen Sie für möglichst viel Schutz im neuen Alltag.