Alle reden davon, immer mehr üben sich darin:

Achtsamkeit als Zukunftskompetenz

Worum es dabei im Kern geht und wie sich „Mindfulness“ im alltäglichen Leben einbauen lässt, erfahren Sie hier.

Geistesgegenwärtig durchs Leben gehen

Das Konzept hat ein Zen-Schüler entwickelt: Jon Kabat-Zinns Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) steht für Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Übersetzen wir mindfulness etwas wörtlicher mit Geistesgegenwärtigkeit, kommen wir der Idee noch näher: Denn es geht darum, den Moment wach und direkt zu erleben, ohne sich dabei von Gedankenströmen ablenken zu lassen – indem wir das Jetzt erkennen, es mit der Wahrnehmung berühren und wieder loslassen. Klingt kompliziert und ist ziemlich einfach, wenn es uns gelingt, uns ganz auf das einzulassen, was gerade ist.

Achtsamkeit und Stress

Stress wie wir ihn aus Arbeitszusammenhängen kennen, entsteht vor allem durch Gedanken, die uns Druck machen. Schneller, besser, perfekter, mehr. Die Orientierung an Superlativen legt die eigene Leistungsmesslatte hoch und katapultiert uns augenblicklich aus dem gegenwärtigen Moment in Zukunftsvorstellungen. Denn wenn eigene oder fremde Ansprüche und Erwartungen größer sind als die erlebte Wirklichkeit, halten wir uns nicht wirklich in der Gegenwart auf, sondern überholen uns selbst. Die Folge: Wir fallen aus unserem Rhythmus und verlieren das Gleichgewicht. Achtsamkeit ist dann ein Mittel, um wieder zurückzufinden in unsere Balance.

Achtsam in den Tag starten

Mal ehrlich: Wann schauen Sie zum ersten Mal auf Ihr Smartphone? Nach dem Snoozen schnell die Nachrichten checken? Beim Aufwachen die E-Mails überfliegen? Stattdessen könnten Sie sich fragen: Wie habe ich geschlafen? Habe ich geträumt? Worauf freue ich mich heute? Wie fühle ich mich? Ein kleiner Body-Check bringt uns sofort mit der Wahrnehmung in den Körper und damit ins Jetzt und Hier. Auf die Frage, wie Achtsamkeit zu üben sei, antwortete der tibetische Meditationslehrer Chögyam Trungpa seinen westlichen Schüler*innen bereits in den 1980ern: „Zähneputzen. Nur das. Sonst nichts. Nicht überlegen, was du als nächstes tust, dich nicht dabei im Spiegel begutachten und nicht dabei herumlaufen. Einfach nur Zähneputzen.“

Achtsam essen

Beim Frühstück klappt es vielleicht gerade noch. Und auch da: Schmecken wir den Kaffee wirklich, den wir trinken? Oder nehmen wir ihn nur flüchtig beim Zeitunglesen wahr? Meist sind wir mit unseren Empfindungen nicht aufs Essen konzentriert, sondern erledigen nebenbei noch ein paar andere Dinge. Selten sind wir mit Riechen, Schmecken, Sehen und Hören ganz dabei. Denn dazu gehört Zeit und Ruhe, die wir uns oft nicht gönnen. Unsere Sinne zu schärfen ist die Grundlage für Achtsamkeit. Wir können bei den Mahlzeiten damit beginnen: Langsam kauen, Geschmäcker unterscheiden, Düften nachgehen, Pausen einlegen, genießen. Welche Geräusche nehmen Sie wahr? Wie viele Gewürze können sie benennen? Überhaupt: Wie schmeckt’s denn wirklich?

Achtsam arbeiten

Auch im Arbeitskontext geht der Trend dahin, sich vom Multitasking abzuwenden. Heutzutage beindrucken wir niemanden mehr, wenn wir wichtig auf dem Flur telefonieren oder während des Online-Meetings liegengebliebene E-Mails beantworten. Im Gegenteil: Wer sich im digitalen Overload verliert, wird eher mitleidig belächelt. In vielen Umfragen zeigt sich: Die Sehnsucht nach ungestörtem und selbstbestimmtem Arbeiten ist groß, der Rückzug ins (Home)-Office zum effektiven Arbeiten erfährt auch deshalb neue Beliebtheit. Trauen Sie sich, Unterbrechungen zu reduzieren, um sich auf wichtige Aufgaben einzulassen? Dann schalten Sie zeitweise das Telefon stumm, stellen Ihre E-Mail-Benachrichtigungen aus, halten Ihre Arbeitszeiten ein und machen regelmäßige Pausen. Ohne Handy, versteht sich.

Achtsam nichts tun

Können Sie nicht? Dann wird es vielleicht Zeit, genau das zu lernen. Denn „nichts tun“ ist die größte Achtsamkeitsübung. Ganz ohne unser Zutun, atmen wir ein und aus, dieser Mechanismus hält uns am Leben. Je öfter wir uns dessen gewahr werden, umso tiefer wird unser Verständnis des gegenwärtigen Moments. Suchen Sie sich dazu einen ungestörten Ort. Schließen Sie die Augen und achten Sie auf Ihren Atem: Ist er gleichmäßig oder ungleichmäßig, unterschiedlich lang oder unterschiedlich tief? Atmen Sie solange mit voller Konzentration, bis Sie ein Gefühl für Ihren eigenen Rhythmus bekommen. Bauen Sie dieses 5-Minuten-Achtsamkeitstraining in Ihren Tagesablauf ein – es ist die einfachste Methode, Achtsamkeit zu trainieren.

Achtsam leben

Laufen, gehen, wandern, einkaufen, Autofahren, Fahrradfahren, Gespräche führen, Musik hören, lesen, schreiben, Holz hacken – all das und viel mehr können wir fokussiert tun, ohne abzuschweifen, ohne Zusatz „on top“. Was wir davon haben? Nicht mehr und nicht weniger als die Chance auf 100%ige Präsenz. Das ist langweilig? Mitunter. Herausfordernd? Definitiv. Ungewohnt? Ganz sicher. Anstrengend? Am Anfang zweifellos. Vor allem aber ist es gesünder: Denn je achtsamer wir mit uns selbst und dem sind, was wir tun, umso näher sind wir an unserem eigenen Rhythmus. Das dankt uns unser Herz, unser Kreislauf, unser ganzer Körper. Und der hat bekanntlich immer recht.

Unser Tipp für Sie

Viele Krankenkassen fördern die Teilnahme ihrer Mitglieder an Achtsamkeitstrainings zur Stressbewältigung. Fragen Sie doch einfach mal nach! Oder kontaktieren Sie uns zu unserem Achtsamkeitstraining „Freundschaft schließen mit sich selbst“.